Cavia aperea f. porcellus - Über die Ursprünge unseres Hausmeerschweinchens

Ursprünglich stammt das Meerschweinchen (Cavia aperea f. porcellus), wie wir es heute kennen, aus den südamerikanischen Kordilleren - den Anden. Während es als Haustier, im Sinne des liebenswürdigen Gefährten, Familienmitglieds, Zucht- oder Showtieres nur auf eine relativ kurze Geschichte zurückblicken kann, ist, verglichen damit, seine Historie im Laufe der Evolution sehr lang; und bisweilen auch etwas widersprüchlich. So gehen bis heute die Meinungen über genaue Daten seiner Entwicklung und Domestikation auseinander und in der Fachliteratur finden sich oft unterschiedliche Angaben hierzu.

Aus zoologischer Sicht ordnet sich das Meerschweinchen folgendermaßen ins Tierreich ein:

Reich: Animalia (Tiere)

Stamm: Chordata (Chordatiere)

Unterstamm:Vertebrata (Wirbeltiere)

Klasse: Mammalia (Säugetiere)

Unterklasse: Eutheria (Höhere Säugetiere)

Ordnung: Rodentia (Nagetiere)

Unterordnung: Hystricognathi (Stachelschweinverwandte)

Überfamilie: Cavioidae (Meerschweinchenartige)

Familie: Caviidae (Meerschweinchen)

Unterfamilie: Caviinae (eigentliche Meerschweinchen)

Gattung: Cavia (Meerschweinchen i.e.S.)

Art: Cavia aperea f. porcellus (Hausmeerschweinchen)

Noch heute leben in den Andenregionen Südamerikas die wilden Verwandten unseres Hausmeerschweinchens, die Cavia aperea. Eine Unterart dieser Aperea-Schweinchen, die Cavia aperea tschudii, gelten dabei als ihre direkten Vorfahren. Und auch andere Gattungen, wie etwa die Wieselmeerschweinchen (Galea musteloides), die Berg- und Felsenmeerschweinchen (Kerodon rupestris), die auch Mokos genannt werden und die südlichen Zwergmeerschweinchen (Microcavia australis) gehören zur unmittelbaren Verwandschaft der Cavia aperea f. porcellus.Aber auch andere Meerschweinchenverwandte (Caviamorphae) bewohnen, bis auf eine nordamerikanische Ausnahme, den lateinamerikanischen Kontinent und bilden eine evolutionsgeschichtliche Einheit. Diese Arten, unter ihnen die Pakaranas (Dinomys branickii), Pakas/ Bergpakas (Cuniculus paca/ Stictomys taczanowskii), Wasserschweine (Hydrochaeris hydrochaeris) und die großen bzw. kleinen Maras (Dolichotum patagona/ Pediolagus salinicola )beheimaten weite Regionen Südamerikas, die sich sowohl über hochgelegene, felsige, als auch über savannenartige, bewaldete und sumpfige Gegenden, von Kolumbien und Venezuela im Norden, beiderseits der Anden bis nach Brasilien und ins südliche Argentinien erstrecken.

Verbreitung der Wildmeerschweinchen und ihrer Verwandten

Die in den Andengebieten beheimateten Wildmeerschweinchen, Cavia aperea sind in ihrem Körperbau schlanker und gedrungener, als unser Hausmeerschweinchen, was auf die oft karge, pflanzliche Kost in den Hochgebirgsregionen zurückzuführen sein mag. Im Schnitt wiegen sie um die 700g (1). Ihre Fellfarben variieren wenig, Standart ist ein einheitlicher, grau-brauner Ton des langen, derben Haarkleides. Als Wesen mit Gemeinschaftssinn leben sie dort in haremsartigen Gruppen von 4-20 Tieren (2) zusammen mit ihrem Nachwuchs (auf einen Bock kommen dabei 1-3 Säue). Stundenlang grasen diese Herbivoren das vorhandene Angebot an niedrig wachsenden Gräsern und Büschen ihres Reviers ab. Sie sind bevorzugt dämmerungs- und nachtaktiv, da sie als Fluchttiere, die bei drohender Gefahr eine rasante Geschwindigkeit an den Tag legen können, im Dunkel der Nacht größeren Schutz erfahren.

                                        

Wildmeerschweinchen (Cavia aperea)

Die Wildmeerschweinchen bewohnen Höhlen und Bauten, die von ihnen oder anderen Tieren angelegt wurden, sind aber nicht unterirdisch, in Gängen oder Labyrinthen, aktiv. Die Paarungszeit ist ganzjährig, mit einer winterlichen Zyklusruhe, wobei die Sau im Schnitt 2 x im Jahr Nachwuchs hat (zwischen 1-4 Welpen). Untereinander kommunizieren die Tiere durch ein vielfältiges System von Pfeiflauten.

Paläontologen schätzen die Entstehung der Meerschweinchen, aufgrund vorhandener Knochenfunde, auf die Zeit des Eozäns im Tertiär, vor 40-35 Millionen Jahren (3). Ungewiss ist der Zeitpunkt ihrer Domestikation durch die südamerikanische Bevölkerung. Weiteste Schätzungen reichen von 1000 - 500 v.Chr.(4), wiederum andere Quellen sehen diesen Zeitraum um 900 v.Chr.- 200 v.Chr. (5). Es gibt unter anderem Vasenfunde aus der Zeit von 1000 v.Chr., auf denen Meerschweinchen abgebildet sind. Somit steht fest, daß die Caviae zu den ältesten Haustieren überhaupt gehören. Ebenfalls gesichert ist, das Meerschweinchen in der Periode des Inkareichs (13. - 16. Jhr. n.Chr.) der Bevölkerung als Opfertiere für ihren Sonnengott oder als Grabbeigaben Verstorbener dienten, wobei braune und braunweiß gescheckte Tiere bevorzugt wurden (6).
Ebenso waren - und sind sie bis heute - ein ergiebiger und beliebter Fleischlieferant.

Meerschweinchen leben Seite an Seite mit der Bevölkerung der Anden

Während der spanischen Conquista Perus durch Francisco Pizarro (1476-1541), beschrieb einer der anwesenden Soldaten das Geschehen folgendermaßen:
"The indians of Peru raise large quantities of small white animals, or of various colors, resembling on a smaller scale, the rabbit, and which they call >Cuijes<. They eat or sacrifice them to their gods." (6a)

Weitere wichtige Daten zur Domestikation stammen von dem deutschen Professor für Zoologie, Alfred Nehring (1845-1904), der 1889 mumifizierte Meerschweinchen aus den Totenfeldern von Ancon/ Peru, mit jenen, durch den schweizer Zoologen Johann Jakob von Tschudi (1818-1889) erforschten Wildmeerschweinchen verglich, und domestikationsbedingte Unterschiede schriftlich belegte (6b).
Dies sind jedoch keineswegs die ersten Aufzeichnungen von europäischen Forschern über die Caviae, denn schon im Jahre 1554 beschrieb der Schweizer Naturforscher und Arzt Konrad von Gesner (1516-1565), dessen Werk >Historia Animalium< als Beginn der modernen Zoologie angesehen wird, das, für die Großzahl der Europäer bis dahin unbekannte, Meerschweinchen, welches er erstmals in Zürich oder Nürnberg zu Gesicht bekam (7). Was diese Quellen jedoch nicht belegen, ist der Weg des Meerschweinchens von Südamerika nach Europa. Es wird vermutet, das heimreisende spanische Soldaten die Tiere im 16 Jhr. mit auf ihre Schiffe nahmen, um sie während der langen Überfahrten als Fleischvorrat zu nutzen. Später waren es holländische Kaufleute, die im 17. Jhr. den Marktwert dieser fremdartigen Tierchen erkannten und sie nach Europa importierten. So gelten die in Holland gezüchteten Meerschweinchen als Urform aller, heute in Europa gehaltenen, Rassen (8).

Wie und wann auch immer sie nun genau nach Europa gekommen sind, ihre Popularität als Hausgenosse für Jung und Alt, stieg im Laufe der Jahrhunderte stetig an. Zuerst nur ein Spielzeug für Reiche (so soll sogar die Tudorkönigin Elisabeth I. - 1533-1603 - ein Meerschweinchen besessen haben (9)), verbreitete sich das Meerschweinchen, dank seiner Vermehrungsfreude, schnell in jedermanns Haus und Wohnung, wo es heute kaum mehr wegzudenken ist.

Übrigens ranken sich die meisten Mythen um die Entstehung des Namens Meerschweinchen oder guinea pig, wie die englische Bezeichnung lautet. "Schweinchen" heißen sie wahrscheinlich aufgrund ihres schweineähnlichen Körperbaus und weil ihr Quieken dem des Hausschweins ähnelt. Da sie auf Schiffen übers Meer nach Europa kamen, könnte diese Tatsache den ersten Namensteil erklären, wobei dies jedoch reine Spekulationen sind. "Guinea" geht entweder auf den Umstand zurück, daß viele der Schiffe, mit denen die Meerschweinchen transportiert wurden, aus Guyana (früher Guiana) ablegten, bzw. die Sklavenroute über Guinea (in Westafrika) anliefen, bevor sie Europa erreichten. Oder aber, der Name bezieht sich auf den Preis für ein einzelnes Exemplar, der im 17. Jrh. bei einer Goldmünze, dem Guinea, lag und ein kleines Vermögen darstellte. Eine andere Theorie bezieht sich auf das veraltete englische Wort "guinea" für "fremd, fremdländisch".
Unser heutiges Wissen über die Anatomie und die Bedürfnisse der Meerschweinchen in menschlicher Haltung, begründen sich hauptsächlich auf den Umstand, daß diese Tiere in der zweiten Hälfte des 19. Jhr. gerne als Forschungsobjekte in Versuchlaboratorien gehalten wurden (10).

Zum Schluß sei noch etwas zu den physiologischen Daten des Hausmeerschweinchen gesagt:

Körperlänge

20-35cm

Gewicht

Weibchen 800-1100g,

Männchen 1000-1500g

Körpertemperatur

37,4-39,5 Grad C

Herzfrequenz

230-380 Schläge/Minute

Atemfrequenz

100-150 Züge/Minute

Futterverbrauch

6-10g je 100g Körpergewicht pro Tag

Wasserverbrauch

10ml je 100g Körpergewicht pro Tag

Geschlechtsreife

28.-35 Lebenstag

Adoleszenz

ca. mit 1 Jahr

Lebenserwartung

durchschnittlich 5-8 Jahre

Hausmeerschweinchen

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